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Wie lange „sollte man“ stillen? – 5 Elemente einer schönen Stillbeziehung

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Ich glaube, kaum zu einer Zeit wurde so viel über den Sinn, die Häufigkeit und optimale Länge des Stillens diskutiert wie heute. Es gibt die absoluten Stillfanatiker, die voll in die Offensive treten und es gibt die Mütter, die lieber gar nicht erst damit anfangen. Es gibt genaue Stillzeitvorgaben und Abstillpläne, es gibt Stillberater und Stillcafés – Stillen ist ziemlich viel diskutiert.

Stillen in entspannter Atmosphäre

Stillen in entspannter Atmosphäre

Einerseits freut es mich, dass wir aus einer Zeit heraustreten, in der Stillen ein Tabuthema war und Flaschenmilch der Trend. Es ist schön, wieder Normalität beim Stillen zu empfinden. Andererseits merke ich, dass selbst in Kreisen von Langzeitstillverfechtern die intuitive und ursprüngliche Seite des Stillens manchmal etwas in den Hintergrund tritt. Stillen ist teilweise zu einem Programm geworden. Ähnlich die Frage wie lange man stillen „sollte“. Schadet zu langes Stillen dem Kind? Wann ist die „Grenze“ erreicht?
Bis mindestens zum 2. Lebensjahr zu stillen wird immerhin von der WHO empfohlen – aber was ist danach? Dass die WHO mit der Angabe „mindestens“ keine allgemeine Grenze setzt, finde ich sehr schön, aber ich sehe, dass viele diese Grenze suchen oder gern eine konkrete Angabe hätten, bis wann Stillen „gut“ ist.
Ich möchte den Mamas unter euch ein bisschen den Dschungel an Meinungen entwirren. Die Frage, wie lange ihr stillen „solltet“ ist nämlich glaube ich ganz allein eure Entscheidung und natürlich die eures Kindes.

Meine Tochter ist 3 1/2 und ich stille sie „immer noch“. Auf die Frage, wie lange ich sie noch stillen möchte, habe ich keine konkrete Antwort, weil ich mir keine Fristen setze oder konkrete Gedanken mache. Es wird sich, glaube ich, ganz automatisch ergeben. Ich kann da sehr entspannt sein, kenne jedoch auch zu genüge die Zweifel und kritischen Bemerkung, die nun einmal auftauchen, wenn man sein Kind länger als in den westlichen Kulturen üblich stillt.

Die folgenden Überlegungen helfen mir zu Selbstvertrauen in Hinblick auf das Stillen. Diese 5 Aspekte in einer erfüllten Stillbeziehung möchte ich gern mit euch teilen.

1. Hört auf euer Gefühl

Falls euch Stillen angenehm ist, ihr überhaupt nicht an Abstillen denkt und es vielleicht nur aus dem Grund tun würdet, dass „jetzt die Zeit des Stillens vorbei ist“, dann still einfach weiter. Aus meiner Sicht ist langes Stillen weder gefährlich noch schadet es irgendwem, solange sich alle Beteiligten damit wohlfühlen.Natürlich fühlt man sich nicht gerade wohl, ein 4 jähriges Kind in der Bahn zu stillen und alle glotzen fraglich. Stillen über 2 ist einfach noch nicht so „normal“. Wichtig ist jedoch ganz allein, wie ihr euch beim Stillen für euch fühlt. Zu viel darüber nachzudenken, ob es gut oder schlecht oder was auch immer ist, bringt euch völlig vom ursprünglichen Gefühl ab, was Stillen FÜR EUCH bedeutet.

2. Setzt euch keine vorgefertigten Grenze

Immer wieder treffe ich Mamas, die sich schon in der Schwangerschaft vorgenommen haben, ab einem bestimmten Alter des Babys abzustillen. Dann höre ich von stressigen Abstillphasen und Zweifeln. Umgedreht nehmen sich manche Mütter vor, unbedingt bis 5 zu stillen und geraten dann in eine Art „Durchhaltestillen“, um ja die 5 Jahre zu erreichen.
Ich möchte euch Mamas Mut machen, mit dem Stillen ohne Zeitplan zu beginnen. Es gibt keine „Abstillzeit“. Es gibt tausende verschiedene Stillbeziehungen. Lasst euch auf eure Stillbeziehung ein und legt euch nicht auf irgendeine Zahl fest, die euch vielleicht mehr Stress als Hilfe bedeutet.

3. Stillt von Herzen

Dieser Aspekt einer schönen Stillbeziehung ist für mich wirklich wichtig. Sicherlich gibt es viele viele Vorteile des Stillens und die WHO oder die LaLEche Liga klären hier viel auf. Stillen unterstützt unsere Kinder gesundheitlich und emotional auf geniale Weise. Aber all diese Vorteile sind nicht der eigentliche Grund, warum eine Mama ihr Baby nach der Geburt an die Brust nimmt. Es ist einfach ein BEDÜRFNIS einer Mama, ihr Kind zu stillen. Wenn ihr lange stillen wollt und dies nur tut, damit euer Kind Antikörper bekommt, dann könnte euch diese Stillbeziehung eventuell irgendwann auslaugen. Achtet bitte zu aller erst auf euer Gefühl und nicht auf die vielen Gründe zu Stillen.

4. Löst euch von kritischen Familienansichten oder Expertenmeinungen

Für eine gesunde Stillbeziehung glaube ich, kann es Gift sein, sich zu sehr nach Expertenmeinungen oder der Meinung von Familienmitgliedern/Freunden zu richten. Sicherlich können lieb gemeinte Hinweise auch weiterhelfen – aber es ist eure Beziehung. Es kann mitunter schwer fallen, zu stillen, wenn die eigene Mutter permanent dagegen redet. Schützt euch davor! Es ist nicht eure Aufgabe, die Ängste anderer zu übernehmen. Das gilt natürlich für fast alle Lebensbereiche – in einer so sensiblen Beziehung wie beim Stillen ist es jedoch wirklich wichtig, bei euch zu bleiben!
Es ist schön, dass Stillen mittlerweile auch aus wissenschaftlicher Sicht anerkannt und für wichtig befunden wird. Es ist jedoch für eure Stillbeziehung nicht das Wichtigste, ob andere euer Stillen befürworten oder nicht. Eurer Mutterinstinkt weiß schon am besten, was gut für euch ist…

5. Bezieht eurer Kind mit ein.

Eine Stillbeziehung ist primär die Beziehung zwischen dir und deinem Kind. Niemand hat so eine Beziehung zueinander wie ihr. Es können andere also nur bedingt Rat geben, was für euch gut ist. Kinder spüren sehr wohl, wie ihr euch beim Stillen fühlt – teilt euch mit. Falls ihr nicht wisst, wie lange ihr stillen wollt oder euch irgendwie unwohl fühlt, dann teilt eure Gefühle es mit euren Kindern. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich dabei einige Blockaden sehr schnell auflösen.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Ich freu mich über eure Fragen, Anregungen und euer Feedback.

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