Intuitive Eltern

In Verbindung zu Dir und Deinem Kind

Die Angst vor dem verwöhnten Kind

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3 Gründe, warum intuitive Elternschaft dein Kind nicht im negativen Sinne „verwöhnt“

IMG_4655Ich habe es schon unzählige Male indirekt oder direkt gesagt bekommen: Du verwöhnst dein Kind! Du behandelst es wie die Prinzessin auf der Erbse. Deine Tochter kann nicht ewig alles bekommen, was sie will…
Ihr kennt es bestimmt auch: Familienbett, Stillen, Tragen und all unsere intuitiven Herangehensweisen als Eltern werden von einigen (gerade älteren) Menschen in unserem Umfeld kopfschüttelnd begutachtet.
Kaum ist ein Baby älter als 4 Monate und wird noch gestillt, ist die Mutter zu gutmütig und verwöhnt ihr Kind. Kinder müssen, laut dieser Denkweise, früh lernen, dass sie nicht alles kriegen im Leben und dass sie auch Grenzen akzeptieren müssen. Und am besten fängt man damit so früh wie möglich an, sonst wird es sich nur an all diese Bequemlichkeiten gewöhnen.
Ich will hier mal meine Stimme für die Eltern erheben, die das etwas anders sehen. Und dafür schauen wir uns doch erst mal an, was verwöhnen eigentlich meint.
…tja, sehen wir es nun negativ oder positiv? Wenn ein Mann seine Frau verwöhnt, ist er ein guter Liebhaber. Wenn eine Mama ihr Kind verwöhnt, dann ist sie bestenfalls zu gutmütig.
Verwöhnen kann viel heißen. Verwöhnte Kinder – da tauchen Bilder von quengeligen Rotzgören auf, die weinend im Spielzeugladen stehen und alles haben wollen, was sie sehen. Kinder, die immer sofort alles kriegen und ihre Eltern voll „in der Hand“ haben.
Soll ich dir sagen, warum ich die Angst Quatsch finde, dass sich ein Kind intuitiver, liebevoller Eltern  so verhalten wird?

1. Wir sorgen uns um Bedürfnisse

Eine Mama, die ihrem Kind intuitiv begegnet erfüllt nicht irgendwelche Launen des Kindes, sondern seine Bedürfnisse. Es geht hier nicht darum, dem Kind etwas zu geben, was es eigentlich nicht braucht oder selber könnte – es geht darum, einem Kind das zu geben, was es TATSÄCHLICH BRAUCHT! Ein Kind kommt mit vielen Fähigkeiten auf die Welt und mit vielen Bedürfnissen. Es geht also nicht darum, dass intuitive Eltern ihren kleinen Prinzessinnen und Prinzen jedes Spielzeug kaufen, was sie gerade zu Gesicht bekommen. Sollte ein Kind einer intuitiven Mama tatsächlich auffallend viel weinen und jedes Spielzeug haben wollen, dann würde sie sich wahrscheinlich fragen, was es EIGENTLICH braucht. Vielleicht Aufmerksamkeit? Vielleicht ist ihm langweilig? Vielleicht möchte es gern wieder mehr Zeit zum Spielen haben?
Es geht also wirklich darum, einem Kind das zu geben, was es wirklich braucht und nicht darum, ihn mit Ersatz zu befriedigen und es zu „verhätscheln“.
Wenn man jemandem das gibt, was er wirklich braucht und was er sich selbst nicht geben kann – ist das das verwöhnen?

2. Intuitive Elternschaft macht zufrieden

Sich mit einem Kind zu verbinden, schließt aus, es zu verhätscheln oder zu „verziehen“. Kinder, die sicher gebunden sind, sind zufrieden. Eltern, die sicher gebunden sind, sind zufrieden. Es ist ein gegenseitiges Verstehen. Eine Mama weiß einfach, was ihr Kind braucht und ihr Kind spürt, dass es alles bekommen kann, was es braucht. Das macht zufrieden! Wie schön ist es, sich sicher zu sein, dass alles, was man braucht, da ist. Und es ist letztenendes nicht viel, was ein Baby braucht. Kurz gesagt: Liebe, Mama (oder andere liebevolle Menschen), Geborgenheit. All die schicken Babysachen und Fläschchen und Täschchen sind nicht das, was ein Baby braucht. Ein zufriedenes Kind will auch nicht immer alles mögliche haben. Es ruht in sich.
Da gibt es ganz andere Ansichten. Ich habe mit Grauen das Buch „Adolf Hitler, Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“ von Sigrid Chamberlain gelesen. Die Autorin zitiert aus Erziehungsbüchern der NS-Zeit. Ein eindrückliches Beispiel daraus: „…so raten wir ganz unbedingt dazu, es (das Baby) von der mutter getrennt unterzubringen (…) Der Mutter wird auf diese Weise nicht nur viel Beunruhigung erspart – sie horcht nur zu gern ängstlich auf jede Lebensäußerung des kleinen Wesens und sorgt sich unnötig darum (…). Außerdem hat die Trennung von Mutter und Kind für letzteres außerordentliche erzieherische Vorteile. Dass die Erziehung des Kindes unmittelbar nach der Geburt zu beginnen hat, darüber werden wir später noch ausführlich reden“ (Chamberlain, 2000, Seite 23)
Seit dem ich mich damit beschäftige, woher dieser strenge und für mich lieblose Umgang mit Babys kommt, begreife ich, wie sehr unsere Gesellschaft noch in alten Glaubensmustern hängt.
Mir wurde schlagartig klar, dass die Angst vor dem Verwöhnten Kind sehr tief  in unsere Kultur gesät wurde. Und das es politisch notwendig war, „harte Kerle“ zu erzeugen.
Es geht Menschen mit diesem Glaubenssystem nicht darum, ein zufriedenes Kind zu sehen sondern eines, dass viel leisten kann und hart im Nehmen ist. Die Welt ist voll von Grenzen und Kinder sollten erst gar nicht auf die Idee kommen, dass Träume wahr werden können.

Das ist ein Auslaufmodell! Es führt uns in eine Lieblose Welt aus lauter gleichgeschalteten Menschen, die in sich eine tiefe Unzufriedenheit spüren.
Intuitive Eltern wollen zufriedene Kinder. In einer Welt, die wachsen kann. Unsere Gesellschaft sehnt sich nach Individualität. Es ist Langweilig und deprimierend, nur unzufriedene Gesichter zu sehen. Unsere Kinder können so viel erreichen, wenn wir ihnen eine Kindheit ermöglichen, in der sie sich selbst und ihre Wünsche wertgeschätzt wissen.

3. Intuitive Eltern vertrauen

Ich weiß nicht, wie es euch geht – ich vertraue meiner Tochter. Ich vertraue Kindern, dass sie genau wissen, was sie brauchen. Manchmal fehlt ihnen die Sprache, es auszudrücken, aber wir Eltern wissen genau, dass sie etwas brauchen. Ich kenne Situationen, in denen wir im Spielzeugladen etwa 10 Sachen kaufen könnten, weil meine Tochter alles so schön findet. Geht mir sogar selber so. Aber es bedeutet für meine Tochter kein Liebesentzug, wenn ich es ihr nicht „gönne“. Ich erkläre, dass wir nicht alles kaufen können und ich vertraue ihr, dass sie es versteht.
Intuitive Elternschaft bedeutet, mit dem Wesen deines Kindes verbunden zu sein. Wesentliche Wünsche zu erkennen. Und unseren Kindern und unserer inneren Stimme zu vertrauen.
IMG_3106Dann ist es egal, ob Tante Hannelore sorgenvoll denkt, dass Frieda noch mit 20 im Familienbett schlafen wird. Dann ist es egal, ob Opa Hans es anwidert, wenn Clemens noch mit 4 gestillt wird. Solange du darin vertraust, dass es dem Wesen deines Kindes entspricht, machst du nichts falsches. Im Gegenteil. Du gibst deinem Kind genau das, was es braucht!
Wir können vertrauen, dass Kinder nicht mehr nehmen, als sie brauchen, wenn ihnen alles wesentliche zur Verfügung steht. Sie lernen dadurch wunderbar, für sich selbst zu sorgen und immer zu wissen, was und wie viel sie brauchen.
Ein Kind, dass von Anfang an „entwöhnt“ wird, wird wahrscheinlich immer das Gefühl in sich tragen, zu kurz zu kommen. Es will noch als Erwachsener mehr haben– Suchtpotential sagt guten Tag. Unsere Welt ist voll von Menschen, die nie das bekamen, was sie brauchten und die nicht wissen, was sie eigentlich brauchen.
Ein Kind, dass vertrauensvoll erhält, was es wirklich braucht, wird nicht mehr wollen. Wozu? Wenn alles da ist, wird auch kein Mangel empfunden. Was für eine herrliche Welt, in der zufriedene Menschen leben…

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9 Kommentare

  1. Eine schöne Zusammenfassung, einfach und auf den Punkt gebracht :-)
    So stelle ich es mir ebenfalls vor. Wir erwarten unser erstes Kind in Juli und ich fühle mich durch Deine Beiträge bestärkt zu handeln wie ich es für Richtig und vor allem für Wichtig halte. Vielen herzlichen Dank dafür :-)

    • Liebe Inesa,

      Danke für deinen Kommentar! ich freue mich immer, wenn ich Eltern ermuntere, ihren intuitiven Weg zu finden, der ja manchmal ganz anders ist, als die „Norm“…Alles GUte für euch und euer Baby – wenn du dir Beiträge zu einem bestimmten Thema wünschst, schreib mir einfach, ich bin immer offen für solche Impulse!

      Marietta

  2. Hallo!
    Danke für deinen Bericht.
    Er spricht mir aus dem Herzen.
    Meine Erfahrung mit unseren drei Kindern bestätigt mir deine Einstellung.
    Ich bin im Nachhinein beschämt an welchen Punkten ich mich bisher trotzdem habe unter Druck setzen lassen. Wahrscheinlich auch eine Leistungsfalle in die ich mich reinziehen lassen habe.
    Zum Beispiel beim Sauberwerden unserer Erstgeborenen.
    Auch mir sind die Augen geöffnet wurden, als ich mich mit den Gründen der früheren Erziehung auseinander gesetzt habe.
    Letztendlich ging es ja darum den Willen eines Menschen zu brechen und ihn in gewünschte Normen zu pressen. Dann gibt es viele Mitläufer die nicht mehr hinterfragen und aus einem freien Antrieb handeln. Stattdessen entstehen Menschen, die Gefangene ihrer eigenen Kindheit sind. Jetzt verstehe ich auch meine eigene Mutter besser, welche durch Eltern erzogen wurde, die als Kinder und Jugendliche nationalsozialistisch indoktriniert wurden. Leider haben meine Großeltern dieses Thema nicht aufgearbeitet und statt dessen verdrängt. Meine Mutter hat vieleDinge übernommen und beginnt erst jetzt durch ihre Enkelkinder verschiedene Verhaltensweisen zu beobachten.
    Wir tragen in Deutschland noch immer ein Erbe in uns, leider.

    • Liebe Susanne,
      Danke für deine Rückmeldung! Ich kenne das Gefühl, im Nachhinein traurig zu sein, was man alles hätte anders machen wollen…aber ich glaube, keines unserer Kinder hat was von einer beschämten Mama. Wie gut, dass wir jetzt den Mut und das Verständnis haben, so zu handeln, wie wir es immer hätten tun wollen! Lass uns die Zunkunft unserer Kinder liebevoll gestalten und die alten Muster ablegen!
      Alles LIebe für euch,
      Marietta

  3. DANKE für diese ganz, ganz tollen Worte!
    Auch ich kann Deine Ansichten nur vollstens bestätigen. Wie oft musste (und muß…) ich mir von meinem Umfeld verletzende und verächtliche Kommentare anhören „Man muß doch nicht gleich bei jedem Pieps zum Kind rennen“, „wie lange willst du denn NOCH stillen?“, „die wird ja völlig verwöhnt werden“, „die tanzt dir auf der Nase rum!“ usw…

    Meine Tochter ist jetzt 15 Monate alt, wird „immer noch“ nach ihrem eigenen Bedarf gestillt, erhält immer noch meine volle Zuwendung wenn sie weint oder schreit und wird von mir als vollwertiges Individuum betrachtet, das seinen eigenen Willen haben darf. – Und weißt Du was? :-) – Entgegen all der Befürchtungen meines Umfeldes, ist sie schon jetzt erstaunlich selbstständig und alles Andere als eine fordernde Rotzgöre. Sie versucht immer mehr ohne meine Hilfe hinzubekommen, weil sie ja weiß, dass ich da bin, wenn es wirklich mal schiefgeht. Sie traut sich ganz offen auf Menschen zuzugehen, was mich besonders freut, da ich als Kleinkind nicht so war. Sie akzeptiert, meist ohne größere Dramen, wenn ich dann wirklich mal was verbiete und wenn sich dann doch mal die kleine „Dramaqueen“ zeigt, lässt sie sich mit aufmerksamer Zuwendung schnell wieder besänftigen.

    Ich habe, bevor ich selbst Mama geworden bin, lange mit Kleinkindern und Schulkindern gearbeitet und dabei ist mir immer wieder aufgefallen wie sehr wir Erwachsenen dazu neigen die Gefühle und Bedürfnisse der Kinder einfach zu übergehen. Geradezu automatisiert spulen wir da Sätze ab, die uns wohl selbst schon in der Kindheit um die Ohren geknallt wurden und die meist in die Richtung gehen „Tu dies nicht, tu das nicht!, Jetzt ist aber Schluß!, Wenn du nicht…, dann…!“
    DAS führt dazu, dass Kinder Feitztänze aufführen! Und zwar zurecht! Weil sie einfach gar nicht wahrgenommen werden! Oft schauen die Erwachsenen sie dabei ja nicht mal richtig an!

    Irgendwann hatte ich ein Aha- Erlebnis. Da habe ich einen Jungen nur bei seinem Namen gerufen – und er fing augenblicklich an sich zu rechtfertigen. „Ich wollte grad nur…“ Dabei wollte ich ihn gar nicht tadeln, sondern ihm nur was ganz anderes sagen. In dem Moment ist mir schmerzlich klar geworden, dass Kinder Erwachsene fast automatisch als Leute begreifen, die immer nur an ihnen rummeckern, sie zurechtweisen oder ihnen irgendwas verbieten. – Kann es das sein? Wollen wir, dass unsere Kinder uns so empfinden?
    Und dann wundern wir uns darüber, dass sie sich uns nicht anvertrauen mögen oder uns sogar anlügen.

    Ein Kind, das damit aufgewachsen ist, dass es von den Erwachsenen um sich herum als eigenes Individuum mit seinen eigenen Ideen, Idealen, Bedürfnissen und Eigenarten ernst und wichtig genommen wurde, sich unter wohlwollend liebevollen Augen frei bewegen konnte und nicht ständig die Furcht im Nacken haben musste, dass es gleich wieder Vorschriften, Verbote, Maßregelungen und Tadel hagelt, traut sich später viel eher zu äußern was es wirklich denkt und fühlt und kann seinen Mitmenschen auf Augenhöhe und mit Vertrauen begegnen.

    Und es wird viel eher Grenzen akzeptieren und auch aus sich selber heraus erkennen können, weil es diese als etwas Angemessenes, Plausibles kennengelernt hat und nicht als willkürlichen Dauerzustand.

    Wir Erwachsenen sollten in der Begegnung mit Kindern auch die Chance nutzen uns der Sicht auf das Leben zu öffnen, die sie uns vorleben können. Wenn sie spüren, dass dieser Raum da ist, können sie uns eine ganze Menge zeigen – über Offenheit, Vertrauen, Staunen, Lebensfreude, Kreativität, vor allem über das Hier und Jetzt Sein und Man Selbst Sein. Das kann uns, denen das, durch seinerzeit vorherrschende, intuitionsferne Erziehungsideologien, ausgetrieben wurde, ein unermeßliches Geschenk sein!

    • Liebe Marietta!
      Wenn ich noch ein Kind bekommen sollte, dann möchte ich auf jeden Fall auch eine Lotusgeburt machen. Mir hat es bei meinen Kindern (10 und fast 8) immer nicht gefallen, die Nabelschnur durchtrennt zu sehen, und wollte es immer aufschieben.
      Es tut mir auch leid, dass meine Kinder Erwachsene bzw. auch ihre Mama ebenfalls als Zurechtweiserin, Verbote-Erteilerin etc. empfinden (ich habe sie grade eben danach gefragt). Ich wollte nie, dass sich meine Kinder ducken müssen und auf ein Wort parieren. Das habe ich mir so angewöhnt und bereue es jetzt, weil ich merke dadurch das Vertrauen missbraucht zu haben, meine Kinder mir nicht auf Augenhöhe begegnen konnten und viele Gefühle unterdrücken mussten bzw. sich oft unverstanden gefühlt haben. Das möchte ich in Zukunft anders machen und bin froh, dass noch mehr Elternmenschen diesen intuitiven, gewaltfreien Weg mit ihren Kindern gehen.
      Vielen Dank für die guten Tipps!
      Alina plus Kids

  4. Hallo!
    Besonders nach meinen Erfahrungen heute tun deine Worte so gut zu lesen und zeigen mir, dass ich nicht alleine mit meiner Meinung dastehe. Mir geht es wirklich darum, dass mein Sohn glücklich ist und dass ich auf ihn eingehe, ganz besonders höre ich eben auf mein Bauchgefühl und eben nicht mehr auf andere, wozu ich mich manchmal habe verleiten lassen. Heute musste ich wieder so eine Erfahrung machen, auf die ich gerne verzichtet hätte, und zwar beim Kinderarzt bei der Vorsorgeuntersuchung U7a.
    Mein Sohn wurde ins Labor gezwungen, dort sollte er auf Kommando ein Buch ansehen und alles mögliche benennen. Abgesehen davon, dass das Zimmer ihm schon sehr unbehaglich und wenig kinderfreundlich war, war die Arzthelferin auch keine Hilfe. Er hat sie sehr skeptisch angesehen, wie viele Kinder es erst mal mit Fremden tun. Normalerweise legt sich die Skepsis schnell, wenn sein Gegenüber ihm zeigt, dass man ihn mag und gerne mit ihm spielen würde. Die Arzthelferin sah ihn aber nur ernst an und forderte ihn ständig auf, die Bilder im Buch zu benennen.
    Immer, wenn er von sich aus das Buch anschauen wollte, blätterte die Arzthelferin einfach um und wunderte sich dann, dass mein Sohn in Tränen ausbrach, weil er gar nicht selbst das Buch entdecken konnte. Darauf wurde sie sehr schnippisch und meinte, er müsse lernen, dass man ihm vorschreibt was er tun soll. Wie das denn erst in der Schule werden soll, fragte sie und meinte wir würden mit ihm erhebliche Probleme bekommen. Er fing immer heftiger an zu weinen, weil sie ihm immer unsympathischer wurde und er gar nicht wusste, was er falsch gemacht hatte. Er hatte ja auch gar nichts falsch gemacht.
    Als sie weiter rummeckerte, verschloss er sich für sie ganz und wollte nur bei mir bleiben, um getröstet zu werden. Dann zwang sie ihn zu den ganzen anderen Prozeduren, die sie noch für nötig hielt, immer wieder mit dem Kommentar wie sehr er noch lernen müsse, zu gehorchen und dass er ganz bestimmt noch nicht im Kindergarten sei und warum denn eigentlich nicht. Dort würde er lernen, dass nicht alles so läuft wie er will, dann würde sich das legen. Der Kinderarzt kam später dazu und fragte dann, weil mein Sohn beim bloßen Anblick der Arzthelferin schon wieder zu weinen begann, warum er so schreien würde. Ich wollte beinahe etwas sagen, behielt es dann aber doch für mich. Auch er machte dann wieder all die aufgezwungenen Prozeduren mit ihm, was meinen Sohn nicht gerade beruhigte. Der Arzt kommentierte ebenfalls wieder damit der Kindergarten sei gut um ihm sowas abzugewöhnen und wo solle er das denn sonst lernen. Nach dem Motto, wir würden ihn verwöhnen, weil wir auf seine Bedürfnisse eingehen und weil ich ihn aus verschiedenen Gründen nicht in den Kindergarten geben möchte, wäre mein Kind angeblich schwierig. Einer dieser Gründe gegen den Kindergarten ist für mich eben auch, dass ich nun wieder schwanger bin und unser zweites Kind auch ungefähr zum Kindergartenstart zur Welt kommt, weshalb ich dieses Jahr auf jeden Fall eine Entscheidung gegen den Kindergarten getroffen habe, zum Wohle meines Sohnes der sich sonst vielleicht auch abgeschoben fühlen würde.

    Ich finde es furchtbar, dass obwohl man theoretisch die eigene Wahl für oder gegen den Besuch eines Kindergartens hat, sich immer so dermaßen rechtfertigen muss wenn das Kind keine Kita besucht. Ebenso muss man sich eben auch für das Eingehen auf die individuellen kindlichen Bedürfnisse , das Familienbett etc. rechtfertigen und bin es so Leid! Und ich weiß dass das alles gut und richtig für mein Kind ist, denn abgesehen von solchen Zwangsmaßnahmen beim Kinderarzt ist er so ein unglaublich glücklicher und fröhlicher Junge!
    Aber es tut gut zu wissen, dass noch mehr Menschen genau so sehr auf die Bedürfnisse ihrer Kinder eingehen wie wir, auch wenn man sich immer wieder gegen so viele Menschen wehren muss.

    • LIebe Karina,

      Solche Geschichten über Arztbesuche sind so häufig. Ein Glück sind die Vorsorgeuntersuchungen keine Pflicht. Solche Prozeduren sind ja für deinen Sohn nicht wirklich eine Hilfe…
      Bleib dir treu. Es gibt immer Menschen, die ihrem Herzen folgen und du wirst nie allein sein, im gegenteil immer mehr Gleichgesinnte anziehen!
      Sei lieb gegrüßt und verdaut erstmal diesen Tag:)Bestimmt tut es euch jetzt gut, euch einfach zu umarmen und ganz fest zu spüren: Alles ist gut!

      Marietta

    • Liebe Karina

      Ich wäre geplatzt vor Wut bei solchen Ärzten und Arzthelferinnen und ich kann dich verstehen.

      Ich wünsche dir in Zukunft weiter Viel Vertrauen in dich und euren Weg und dass du in solchen Situationen ganz klar deine Grenzen den anderen Gegenüber wahren kannst und auch laut klar liebevoll und bestimmt sagen kannst bis hierher und nicht weiter.
      fühl dich umarme falls du diese Antwort liest.
      alles liebe Anja

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