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Entspanntes Windelfrei – 7 kleine Tipps

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DSCF6756[1]In letzter Zeit scheint Windelfrei zu boomen! Ich höre von immer mehr Eltern, die es ausprobieren wollen oder gemacht haben. Wenn wir vor 4 Jahren mit unserer Tochter im Park beim Abhalten angesprochen wurden und sagten, wir „machen windelfrei“ wurden wir noch schräg angeguckt. Mittlerweile hat doch schon fast jeder zu Mindest davon gehört – jedenfalls hier in Leipzig.
So schön ich das finde, so traurig macht es mich, dass es doch häufiger nicht ganz so umgesetzt wird, wie es gemeint ist. (Jedenfalls empfinde ich es so)
Einige Mütter fragen mich in etwa so: „Wie hast du das gemacht? Bei euch klappte es doch so gut, bei uns ist es nur Stress und mein Mann findet es doof und ich würde viel lieber Windeln nehmen, das spart so viel Stress! Ich schaffe es einfach nicht.“ Ich komme dann schnell ins Zweifeln, ob Windelfrei mittlerweile nicht eher einem Trend gleichen kann, dem viele gerade alternativ gesinnte Mütter aus wunderbaren Absichten nachgehen wollen – es aber letztendlich zu einem Druck führt, dass “ es auch klappen muss“ und wenn nicht, dann ist man gescheitert.
Bitte ihr Lieben, die ihr Windelfrei ausprobieren wollt oder euch dafür interessiert, verinnerlicht, dass es bei Windelfrei nicht um die Menge an Windeln geht, die ihr spart sondern um eine bindungsorientierte Kommunikationsform mit euren Babys! Die gesparten WIndeln sind eine erfreuliche Nebensache, aber sie sind nicht der Kernpunkt dieses wundervollen Ansatzes.Ich habe daher beschlossen, euch hier aus meiner Sicht einige Anregungen zu geben, um mit windelfrei entspannt „erfolgreich“ zu sein:

1. Kommuniziere aus Liebe

Wenn ich etwas an Windelfrei am wichtigsten finde, dann das: Es ist ein Ansatz, der aus Liebe funktioniert. Ich glaube, jede andere Absicht, das Baby abzuhalten, wird letztendlich nicht zufrieden machen. Es geht hier darum, die liebevolle Kommunikation zum Baby auch auf die körperlichen Bedürfnisse – wie eben auch die Ausscheidungen – zu erweitern. Es „klappt“ solange wir nicht irgendetwas erreichen wollen, sondern einfach unserer intuitiven Verbindung zu unserem Baby trauen. Natürlich hilft es, wenn man bestimmte „Pullerzeiten“ des Babys kennt oder kleine Tricks im Alltag – aber letztendlich zählt die Verbindung zu unserem Baby.

2. Klare Absprachen

Auch wenn viele diesen Ansatz mögen – einigen ist es doch fremd. Niemand kann gezwungen werden, ein Kind abzuhalten, das wäre für den Erwachsenen als auch das Baby eine Qual! Es ist sicher schwer, wenn nicht beide Eltern dahinter stehen und doch ist es denke ich möglich, einen wertschätzenden Weg zu finden. Wenn Mama das Baby abhält, dann kann Papa es annehmen ohne den Druck zu haben, es selbst machen zu müssen. Und umgedreht kann Mama akzeptieren, dass Papa es nicht möchte. Es ist sicher schwer, da eine einwandfreie Lösung zu finden aber ohne klare Absprachen können Spannungen entstehen, die das ganze Projekt Windelfrei zum Scheitern bringen und auch dem Baby nicht gut tun. Daher finde ich es wichtig, dass sich alle nächsten Bezugspersonen wirklich offen damit auseinandersetzen. Das verhindert vor allem, dass einer der Eltern „beweisen“ will, dass dieser Ansatz toll ist – denn ich sage euch, das klappt nicht!

3. Bleib bei dir

Damit sind wir bei einem 3. wichtigen Punkt. Bitte versuche nicht nach außen zu zeigen, wie toll das ist und wie super es klappt. Das setzt dich und dein Baby unter Druck. Da kommt die skeptische Oma und du würdest dir so wünschen, dass dein Baby jetzt vor ihren Augen in die Schüssel macht – es wird wahrscheinlich nicht klappen. Unsere Babys sind doch nicht blöd – würdest du auf Klo gehen, während dich skeptische Verwandte dabei kritisch beobachten? Das ist jetzt überspitzt formuliert und natürlich wird es auch dein Umfeld bemerken, das dieser Ansatz Sinn macht – solange du es nicht aus diesem Ziel tust, es den anderen zu „beweisen“. Meiner Erfahrung nach macht es unentspannt, weil man dann umgedreht auch immer Angst hat, dass vor den Augen der anderen etwas „daneben geht“. Also, bleib bei dir und deinem Baby und wenn deine Oma skeptisch ist, wird sie immer Gründe finden, warum das alles neumodischer Kram ist – daran kannst du nichts ändern! Und musst du das? Hauptsache, euch geht es gut!

4. Benutze Windeln, wenn dir danach ist

Wenn es draußen eiskalt ist und du dein Kind ins Tragetuch packst und dich sicherer fühlst, ihm eine Windel umzumachen, dann tu es! Es bringt niemandem was, wenn du alle 5 Minuten besorgt fühlst, ob dein Baby noch trocken ist. Ich hatte keine Lust, bei Minusgraden mein Baby auszuziehen, um ihm eine nasse Hose auszuziehen! Bitte verkrampfe nicht, nur weil andere es ohne Windeln „schaffen“. Es geht nicht darum, etwas zu schaffen und dabei zu verkrampfen – dann macht es niemandem mehr Spaß. Ich fand es zum Beispiel immer sehr angenehm, wenn ich Freunde mit Teppich besucht habe, nicht die ganze Zeit Angst zu haben, dass meine Tochter den Teppich nass macht – und benutzte zur Sicherheit Windeln. Diese waren in den allermeisten Fällen eh nie nass und ich bekam es mit, wenn sie musste, aber ohne diese WIndeln wäre ich bei  bestimmten Menschen einfach zu angespannt gewesen, dass etwas passiert. Ich habe auch schon Eltern kennen gelernt, die ihre Babys in diesen Situationen einfach permanent über die Schüssel halten, damit sie jah kein Tröpfchen verpassen. Das empfände ich auch nicht wirklich als angenehm.
Es gibt nicht das entweder windelfrei oder Windeln. Es gibt 100 Möglichkeiten, weil es auch 100 Lebenstile gibt und da kannst du beruhigt zur Windel greifen, wenn es dich entspannter macht. Deine Oma wird sich freuen:)

5. Bleib in Kommunikation!

Dieser Punkt ist mir GANZ WICHTIG! Er schließt sich an den 4. Punkt an. Denn viele benutzen zwar auch bei WIndelfrei Windeln, ABER: sie machen die Windel rum und hören auf, mit dem Baby über die Ausscheidungen zu kommunizieren. Das geht gegen den Baum! Euer Baby sendet weiter wie gewohnt seine Signale und ist irritiert, wenn plötzlich niemand darauf eingeht! Wenn Papa oder Oma oder sonstwer es eh nie machen, dann ist das ja schon gewohnt. Aber ihr? Die ihr immer jedes Pippi mitbekommt?Warum jetzt plötzlich nicht?
Die Windel soll nicht heißen: So, jetzt schaltet Mama emotional auf Taubstumm. Solltest du merken, dass dein Baby gerade bei Schneesturm im Tragetuch muss, dann zeig ihm: Ah, ich merke du musst mal, gerade geht es wirklich nicht, wir sind gleich zuhause, wenn du ganz dringend musst, kannst du ja in die Windel machen. (oder so ähnlich) Oder wenn die Windel nass geworden ist auf dem Teppich deiner Freundin: Ach wie gut, ich habe es wohl gerade nicht mitbekommen, komm wir wechseln gleich mal die Windel.
Was auch immer du kommunizierst – es geht darum, dass du Windelfrei nicht einfach an-und abschalten kannst, ohne es deinem Baby mitzuteilen. Und wenn du wirklich mal ganz und gar nicht kannst, weil du ins Flugzeug steigst oder irgendwas: dann kündige es vorher an. Sag deinem Baby: du, in den nächsten Stunden kann ich nicht auf deine Signale eingehen, weil das und das…
Vielleicht finden einige jetzt diesen Rat übertrieben, aber aus meiner Sicht ist es der häufigste Grund, warum Babys irgendwann streiken. Das ganze HIn-und Her ist nämlich nicht schön. Mal Windelfrei hier und dann da mal probiert und dann 2 Wochen nur Windeln und keiner reagiert auf Pippi-Signale – das kann ein Baby ganz schön durcheinander bringen.

6. Benutz angemessene Kleidung

Ich weiß, es gibt superniedliche Strampler – leider taugen sie bei Windelfrei nicht viel. Einteiler sind immer dann nervig, wenn du das ganze Kind ausziehen musst, nur weil es unten nass ist. Auch Bodys sind nur unten etwas nass – und doch muss das ganze Kind nackig gemacht werden. Im Sommer kein Problem, im Winter kann es nerven! Investiere in Kleidung, die dir und deinem Kind angenehm ist und du hast ganz viel Stress gespart. Nachts einen Einteiler anzuziehen kann die Nachtruhe wirklich stören, denn ein Baby nachts komplett umzuziehen ist schon wirklich unangenehm für alle.
Ich habe nachts manchmal einfach nur oben ein Leibchen angezogen und unten eine Mullwindel zum leicht zudecken. War unten was nass, konnte ich es einfach aus dem Bett schmeißen und alle schliefen weiter…ohne an-und ausgeziehe.

7. Schimpfe oder Strafe nicht

Es ist vielleicht für die meisten klar – aber ich möchte es doch betonen: Wenn etwas daneben geht, hat niemand Schuld oder hat versagt. Bitte mach dich oder dein Baby oder deinen Partner nicht schlecht. Manchmal passiert es unbewusst, dass wir dem Baby nicht ganz so freundlich die nasse Hose wechseln. Das kann passieren, weil wir genervt sind oder überlastet. Doch bitte verinnerliche, dass dein Baby ein Baby ist und du eine Mama – und ihr beide in einer Kultur aufwachst, die nicht übermäßig viel Windelfreierfahrung bietet. Eine afrikanische Ureinwohnerin ist damit aufgewachsen und lebt in einem Klima, in dem Hosen überflüssig und damit nie nass sind. Es ist schon manchmal nicht so leicht, in der westlichen Welt solche intuitiven Ansätze zufriedenstellend auszuprobieren. Und das ist ok.! Dafür lernen wir es und tauschen uns aus – da kann auch mal was daneben gehen. Humor ist hier mal wieder eine große Erleichterung!

4 Kommentare

  1. Sehr gute Tipps. Da stimme ich mit allen überein 😉 an angemessener Kleidung sollte man wirklich nnicht sparen, wie ich am Anfang! Es erspart viel herum geziehe und somit Stress für alle Beteiligten!

  2. Pingback: Warum wir für unser Kind ein Leben in Thailand bevorzugen

  3. Deine Tipps haben mich wirklich beruhigt. Wir machen seit einem Monat windelfrei, nur läuft bei uns ziemlich viel daneben besonders morgens, obwohl ich recht häufig abhalte. Die Signale nehme ich nur selten wahr. Eher nach Gefühl. Vielleicht soll ich seltener abhalten und nicht nur an seine Ausscheidungen denken. Hast du noch Tipps zur Bekleidung? Soll mann dann auf Schlitzhose usw. umsteigen?

    • Liebe Isa,

      habt ihr Windelfrei von geburt an gemacht oder seid ihr vor einem Monat erst umgestiegen? Dann kann es durchaus noch eine Weile dauern bis ihr euch eingepegelt habt.
      Zur Kleidung: Das ist bei jedem anders. ich habe Schlitzhosen nie genutzt, kann also auch nicht sagen, ob ich sie empfehlen würde. Wir haben einfach immer zweiteiler angezogen, schlüpfer und Hemd statt Body und Hosen und Pullover statt overall. Das ging super. Nachts nutze ich gern Einteiloge Schlafanzüge zum UNTEN knöpfen – dann kann man einfach unten aufgeknöpft lassen und abhalten ohne Hose hoch und runter ziehen…
      Bleib einfach dabei.Es pegelt sich immer irgendwann ein. Ganz entspannt…

      alles Liebe, MArietta

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