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Umgang mit kindlicher Traurigkeit – mein „7-Punkte-Plan“

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Ich habe den Eindruck, der „typische“ Umgang mit kindlicher Traurigkeit erschwert uns manchmal unnötig den Alltag. Kennt ihr das auch? Weinende Kinder sind gerade in der Öffentlichkeit immer irgendwie zu beruhigen und der Druck, dass das Weinen aufhört, ganz groß. Und alle Versuche, Kinder abzulenken, machen es nur noch schlimmer…Ich finde es ist Zeit, einen einfacheren und schöneren Umgang mit Frust und Trauer von Kindern zu finden.

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Klar, kindliche Traurigkeit kann manchmal wirklich sehr heftig sein und es ist für mich auch manchmal eine Herausforderung, meine Nerven zu wahren. Z.B. wenn wieder keine Tomaten im Haus sind und meine Tochter unbedingt Tomaten essen will und so traurig ist, dass wir erstmal gar nichts essen können. Meine genervte Seite würde dann sagen: Meine Güte, wir haben nun mal keine Tomaten, dann iss doch bitte etwas anderes, dass ist doch nicht so schlimm! Meine Herzensseite aber sieht einfach nur die Traurigkeit meiner Tochter und versteht sie – es ist einfach blöd, wenn man sich auf Tomaten freut und dann sind keine da!

Nun finde ich es nicht verwerflich oder irgendwie „schlimm“, in solch einer Situation einfach auch mal genervt zu reagieren. Gerade bei solchen „Kleinigkeiten“ wie fehlenden Tomaten. Ich habe jedoch den Eindruck, dass es uns noch mehr in die Situation verstrickt und die Situation schlimmer wird, als sie eigentlich sein könnte. Ich bin mir mittlerweile sicher, dass sich die Situation viel schneller entspannt, wenn wir als Eltern unseren Kindern Empathie schenken und sie einfach traurig sein lassen. Ihnen den Raum für Traurigkeit geben und ihnen vermitteln: „Ich sehe du bist traurig und ich nehme Anteil.“ Nicht mehr und nicht weniger ist nötig und die Traurigkeit löst sich oft einfach auf.

Der typische Reflex beim Aufkeimen von kindlicher Traurigkeit ist ja häufig, die Kinder mit irgendetwas abzulenken, ihnen etwas anderes (und das sind fast immer Süßigkeiten) anzudrehen oder, wenn nichts mehr geht, genervt zu reagieren und zu betonen, wie blöd das Geheule ist. Ich beobachte in letzter Zeit häufig solche Situationen und merke, wie schwer es Erwachsenen fällt, kindliche Traurigkeit anzunehmen oder auszuhalten.
Meine Oma macht meiner Tochter jedesmal, wenn sie nur ansatzweise über irgendetwas traurig ist, ein Geschenk (Ein Glück weiß sie, dass Süßigkeiten bei uns tabu sind!), zeigt auf etwas:“ Guck mal da!“ oder erzählt einen wirklich zum Scheitern verurteilten Witz – sie versucht mit aller Macht, meine Tochter vom Weinen abzuhalten und sie auf andere Gedanken zu bringen.
Ich verstehe das einerseits. Kinder können mitunter einen ganzen Tag lang über fehlende Tomaten schmollen und der ganze Tag ist im Eimer. Aber es bringt nichts. Die Traurigkeit ist trotzdem da und kann meistens durch solche Ablenkungsmanöver nur verschoben werden. Außerdem finde ich es manchmal richtig peinlich, mit welcher Energie Kinder abgelenkt werden sollen – das nimmt mitunter krampfartige Ausmaße an und es ist dann nicht mehr klar, wer jetzt ein Problem hat – der Erwachsene oder das Kind.

Warum haben wir so große Scheu davor, Kinder traurig zu erleben? Wenn eine erwachsene Person trauert, dann schenken wir ihr doch auch nicht einfach nur Schokolade. Wir fragen nach, zeigen Verständnis oder hören zu. Warum nicht bei Kindern? Die Angst vor dem endlosen „Geheule“ scheint da wirklich tief zu sitzen.

Soll ich euch sagen, was ich in letzter Zeit mache, wenn meine Tochter traurig oder frustriert ist? Es ist mein persönlicher kleiner 7 Punkte-Plan :) und ich sage euch: es funktioniert!
Nehmen wir das Tomatenbeispiel. Meine Tochter regt sich grade auf, dass sie UNBEDINGT TOMATEN ESSEN WOLLTE!!!!! Und ich….


1. Halte Inne. Atme.

Ich lasse alles los. Lege mein Besteck hin und Atme. Das ist ziemlich wichtig. Denn sonst würde ich wahrscheinlich gleich meinem antrainierten Reflex nachgehen und mich genervt aufregen. Das lasse ich wohlweislich bleiben. Ich bin erstmal gaaaaanz ruhig.

2. Nehme an

Ich nehme ganz bewusst an, dass meine Tochter traurig ist. Das ist vielleicht der schwerste Teil des Ganzen. Ich nehme die Traurigkeit an und versuche nicht, gegen sie anzukämpfen. Das spart ja so unglaublich viel Energie!!

3. Gebe Raum

Nun öffne ich mich ganz bewusst für diese Traurigkeit und gebe meinem Kind den gedanklichen Raum, sie zu empfinden. Das heißt, ich habe jetzt Zeit und Aufmerksamkeit nur für Sie.

4. Verbinde

Ich versuche, mich mit meiner Tochter emotional zu verbinden, mit Blickkontakt, in den Arm nehmen oder andere spontane Eingebungen.

5. Wiederhole das Problem

Es ist ziemlich simpel, aber ich sage meistens einfach nochmal, was meine Tochter stört: Ah, du wolltest unbedingt Tomaten essen und jetzt sind keine da. Bing! Meine Tochter hört auf zu nörgeln und sagt: ja, ich wollte Tomaten essen und es sind keine da. Das kann dann eine Weile so gehen. Manchmal höre ich auch einfach nur ihrem Redefluss zu.

6. Zeige Verständnis

Ich halte einfach aus, dass wir das (manchmal scheinbar kleine) Problem weiter angucken und zeige ihr, dass ich verstehen kann, warum sie traurig ist. Und dass ich auch gerne welche für Sie hätte, jetzt aber nicht einkaufen kann. Und noch einmal wiederhole ich, dass sie ja einfach nur Tomaten haben wollte.

7. Finde Möglichkeiten

Es ist verblüffend, aber oftmals ist meiner Tochter nach 3 Mal wiederholen des Problems auch die Lust am Traurigsein vergangen. Es ist jetzt ganz klar für alle: Sie wollte Tomaten haben und ist traurig. Es scheint sie dann richtig zu erleichtern, es nicht nochmal sagen zu müssen, weil ich es ja wirklich ganz offensichtlich verstanden habe. Und dann ist die Frage: Wollen wir etwas anderes für dich zum Essen finden? Das geht dann, wenn erst mal der Berg an Frust überwunden ist, ganz leicht.

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Das klingt jetzt sehr theoretisch und ist natürlich in jeder Situation ganz anders. Aber das Muster bleibt: Innehalten, annehmen, Raum geben, sich verbinden, das Problem wiederholen, Verständnis zeigen und dann neue Möglichkeiten finden.

Es klingt vielleicht auch sehr zeitintensiv – aber es sind vielleicht 5 Minuten. Wenn man bedenkt, wie lange eine eskalierte Situation Zeit rauben kann und wie viel Energie du sparst, wenn du einfach nur da bist und nicht gegen die Traurigkeit deines Kindes ankämpfst, dann ist es enorm, wie simpel es sein kann, dein Kind zu „beruhigen“.

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